Worte gegen den Wind ... Die Seite mit kritischer Lyrik und Satire

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Zwei 11. September

Zwei kurze


Als Aushilfe vor Weihnachten im Versandhaus: harte Arbeit, schlechter Lohn, miese Chefs, gute Kollegen. Kann man sich als Einzelner gegen Mobbing und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen wehren?
Hier geht meine alternative Adventsgeschichte weiter und Sie erfahren, wie das geht.

Siegfried Schüller

Chaos im Versandhaus (Teil 3)

Die Leitzentrale sah von unten aus wie das Stellwerk eines Rangierbahnhofs: ein großer Glaskasten, der wie ein riesiges, durchsichtiges Schwalbennest unter der Hallendecke hing.

Georg stieg die Gittertreppe hinauf. Von da oben hatte man die ganze Halle im Blickfeld. Er erwartete einen Rüffel für sein Zuspätkommen. Stattdessen sagte der Hallenleiter nur: "Müller, ziehen Sie sich warm an, es ist kalt draußen."

Georg war verdutzt. "Was denn, gleich gefeuert nur wegen ein paar Minuten Verspätung?", dachte er. Wie hypnotisiert starrte er auf die Monitore und blinkenden Kontrolllämpchen der Steuerzentrale.

"Nun machen Sie schon, die warten auf Sie!", drängte Röck und Georg kapierte gar nichts mehr. "Melden Sie sich sofort bei Herrn Ullrich an der Lkw-Rampe. Ab heute helfen Sie beim Containerausladen."

"Na ja, wenigstens mal was anderes als bloß Pakete stapeln", dachte Georg. Er war erleichtert und gleichzeitig ein wenig enttäuscht, dass er nun doch nicht erlöst wurde von der Plackerei. – Also weiter so bis Weihnachten!

Als er nach unten ging, um seine Jacke zu holen, erntete er im Vorbeigehen mitleidige Blicke seiner Kolleginnen. "Die glauben wahrscheinlich auch, ich bin entlassen", dachte er.

 

Draußen war’s wirklich kalt. An der offenen Laderampe wehte in jeder Beziehung ein anderer Wind als drinnen in der beheizten Halle.

Zwei Sattelschlepper waren Tag und Nacht unterwegs und brachten große Container vom Versandhaus zum Verladebahnhof. Darin befanden sich die Pakete, die wegen ihrer Größe oder ihres Gewichts nicht auf dem Förderband transportiert werden konnten oder deren Inhalt sehr empfindlich war – Küchengrills, Kühlschränke, Mikrowellen, Kaffeemaschinen, Fernseher etc. – vielleicht aber auch, weil man befürchtete, sie könnten auf die eine oder andere Weise unterwegs abhanden kommen.

Georg bekam von Herrn Ullrich, dem Rampenchef, eine knappe Einweisung: "Containerklappe auf, bewegliches Förderband ran, einschalten, Pakete ausladen, aufs Band stellen und ab damit in die Halle." – Georg stand etwas ratlos da.

"Und, auf geht’s!", rief Ullrich und klatschte in die Hände. "Oder brauchen Sie eine extra Einladung?" – Georg zerrte das erste Paket aus dem Container.

"Weiter, weiter, nicht einschlafen bei der Arbeit!", schrie Ullrich. "Zack-zack muss das gehen." – "Mann, sind Sie wahnsinnig?", brüllte er. "Knallen Sie die Pakete nicht so aufs Band! Oder wollen Sie das Zeug bezahlen, wenn’s kaputt ist?" – "Na also, geht doch, weiter so, aber dalli-dalli! Oder brauchen Sie erst einen Tritt in’n Arsch?"

 

Ullrich war ein echtes Arschloch und, wie Georg von seinen neuen Kollegen erfuhr, sogar ein gelerntes – mit solider Berufserfahrung als ehemaliger Unteroffizier und Schleifer einer Ausbildungskompanie der Bundeswehr.

Den Übergang vom Kasernenhofton zum zivilen Kapogebrüll hatte er offenbar mühelos und ohne charakterliche Verluste vollzogen. Dass es hier keine jungen Rekruten mehr waren, die man leicht einschüchtern und schikanieren konnte, schien ihn nicht weiter zu stören.

Ullrich hatte sogar eine Art Adjutanten, der ihm beim Herumkommandieren half. Kalle, der Adjutant, war ein harmloser, junger Schnösel. Er hatte als Gefreiter in der gleichen Kompanie gedient wie Ullrich, der ihm später, nach Ende ihrer Dienstzeit, den Job im Versandhaus verschafft hatte.

Während Georg und seine beiden Kollegen in einer Tour die Pakete vom Container aufs Band wuchteten, saß Uffz. Ullrich die meiste Zeit in seinem Kontrollkabuff neben der Laderampe, las in aller Ruhe die Bildzeitung, rauchte, trank Bier oder spielte Karten mit seinem Gehilfen. Der musste selten ran ans Band. Allenfalls wenn einmal mehr als zwei Container gleichzeitig dastanden, schickte Ullrich ihn hinaus auf die Rampe.

Oft blieb Ullrich eine Stunde oder länger verschwunden, während sein Stellvertreter das Kommando führte. Ullrich war dann, wie er es nannte, "geschäftlich unterwegs" oder hatte angeblich eine längere Besprechung in der Leitzentrale. Mit dem Hallenleiter schien er befreundet zu sein; jedenfalls duzte er ihn, was außer dessen junger Assistentin sonst niemand tat.

Böse Zungen behaupteten allerdings, dass Ullrich es während seiner Abwesenheit mit seiner Frau im Brotzeitraum treiben würde. Gesehen hatte das aber noch keiner, da ja der Aufenthalt dort während der Arbeitszeit untersagt war.

 

Ullrichs Frau arbeitete als Sortiererin in der Halle. Sie sah ziemlich gut aus, was nicht nur Georg fand. Als einzige der einfachen Angestellten durfte sie beim Abendessen in der Kantine am Tisch des Führungspersonals sitzen. Sie schien sehr schweigsam zu sein und wechselte allenfalls mit den Kolleginnen ihres Postleitzahlenbereiches mehr als nur ein paar Worte.

Ullrich war trotzdem eifersüchtig und passte auf, dass ihr kein anderer zu nahe kam, vor allem keine der Aushilfen oder der fest angestellten Ausländer.

Sie war, wie gesagt, sehr hübsch, hatte aber meistens einen traurigen Blick. Wahrscheinlich war sie eine jener duldsamen Frauen, die in ihrem Mann noch immer den Menschen vermuteten, den sie irgendwann einmal kennengelernt hatten und die die Hoffnung nicht aufgaben, er würde es vielleicht wieder werden.

...

 


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