Worte gegen den Wind ... Die Seite mit kritischer Lyrik und Satire

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Wortergreifung

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Zwei 11. September

Zwei kurze


Gute Nachrichten *
Kein Altpapier zum Frühstück,
kein Minister tritt zurück
und niemand fragt, warum?
Kein Papst verdammt die Pille mehr,
kein Asylant wird abgeschoben –
der Strompreis heimlich angehoben,
die Butter wird nicht billiger.
Kein Fahrplan, der sich ändert,
keine Umleitung, kein Stau,
kein Streik der ÖTV. 1

Im Stadion kein Krawall,
nicht mal ein Foulspiel ohne Ball,
kein Dieb steht vor Gericht;
die Natur wird nicht verschandelt
und weder Frau noch Kind misshandelt –
es schweigt der Polizeibericht.
Kein Unfall, keine Drogentoten,
kein Sprung vom vierten Stock;
der Karneval wird nicht verboten 2
und ich bekomme keinen Schock
angesichts der Lottoquoten.

Kein Giftalarm am Rhein,
kein entgleister Güterzug
und auch kein Subventionsbetrug
im Geflügelzuchtverein.
Kein EG-Fleisch, das verdirbt
und niemand mehr verstirbt,
den ich nicht kannte.
Es wird auch nicht vermählt,
ohne mich zu fragen,
und in der Stadt passiert kein Mord
seit mehr als 14 Tagen.

Kein Foto einer Leiche –
Krieg, das ist ein Videospiel,
und selbst das Ozonloch quillt
nur noch als buntes Fernsehbild –
das Wetter bleibt das gleiche.
Montags wird nicht demonstriert,
zum Besten wendet alles sich;
die Mauer fällt und fällt und fällt
und arbeitslos bin nur noch ich.

Es ist ruhig geworden auf der Welt –
ich hab’ die Zeitung abbestellt.

Hier gibt's das Gedicht als PDF


*  "Gute Nachrichten" entstand 1992 und wurde 1993 veröffentlicht. 

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1  1992 legte die Gewerkschaft ÖTV (Öffentliche Dienste, Transport 
und Verkehr) mit einem bundesweiten Streik 11 Tage lang die gesamte 
Republik lahm. 2001 ist die ÖTV in ver.di aufgegangen. 

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2  Kurz nach Beginn des Irak-Kriegs 1991 waren aus "Pietätsgründen" 
(fast) alle Faschingsveranstaltungen und Karnevalsumzüge abgesagt 
worden. Auf die Idee, aus Pietätsgründen einen Krieg abzusagen, ist 
aber noch niemand gekommen.
  

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