Worte gegen den Wind ... Die Seite mit kritischer Lyrik und Satire

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Wortergreifung

Zorniges Poem

Zwei 11. September

Zwei kurze


Siegfried Schüller

Wie Drögelmanns den Weltuntergang überlebten (Teil 2)

...

Blitze, dick wie Baumstämme, rückten näher und mit ihnen ein dumpfes Grollen, als habe die Erde etwas schwer Verdauliches gegessen.

Ein unheimliches Rauschen wurde lauter und lauter, dann brach es wie hundert Güterzüge über den nächsten Hügel herein. Am Waldrand ächzten die Bäume, Windböen fegten durch ihre Wipfel und rissen die allerletzten Blätter samt Ästen herunter. Die Straßenlaternen flackerten auf. Da und dort klang es, als würde Glas zerspringen. Eine nach der anderen heulten von allen Seiten die Sirenen auf.

Plötzlich wurde es wieder hell, als habe jemand am Himmel das Deckenlicht eingeschaltet. Jetzt sahen Drögelmanns, wie die Bäume knickten und reihenweise, wie in Zeitlupe umfielen.

Unten im Tal leuchteten vor schwarzem Hintergrund die Drähte der Hochspannungsleitung - erst weiß wie dicke Spinnenfäden, dann fingen sie an zu glühen, bis sie schließlich mit scharfem Knall zerrissen und wie mit Peitschenhieben Funken in die Luft schleuderten.

Ein Zischen kam von oben. Dann brachen glühende Gesteinsbrocken durch die aschgraue Wolkendecke, sausten herab, zogen einen dampfenden Schweif hinter sich her, schlugen erst in der Ferne ein, dann kam ihr Zischen immer näher.

Waren das Außerirdische in ihren Raumschiffen? Waren es die Götter der Tolpaken oder gar der Schöpfer selbst, dessen Zorn sich gewaltig auf die Erde entlud. Wer konnte das sagen? Weglaufen und sich irgendwo in Sicherheit bringen zu wollen, erschien völlig sinnlos, also blieben Drögelmanns stehen, vor Angst ohnehin wie gelähmt und gleichzeitig fasziniert von dem, was um sie herum vor sich ging. Was blieb ihnen noch übrig, als mit allen Sinnen dieses Schauspiel aufzunehmen, welches das letzte sein würde, was sie erlebten und zu sehen bekamen.

 

Wo die Himmelsbomben auf den leeren Feldern einschlugen, spritzte der Dreck haushoch empor und tiefe, qualmende Krater taten sich auf. Als einer der glühenden Meteoriten in den nahen Fischweiher sauste, da verdampfte auf einen Schlag das ganze Wasser wie mit dem Fauchen eines gewaltigen Drachen. Wo die Geschosse im Wald niedergingen oder Gebäude trafen, loderten sofort Flammen empor. Gastanks explodierten und wie ein großer, weißer Vogel erhob sich ein ganzes Dach in die Luft, als eine der Bomben die zwei Kilometer entfernte Tankstelle traf. Höher, als die Benzinpreise jemals geklettert waren, stieg es, schien einen Augenblick zu schweben, ehe es wie zwei Flügel zusammenschlug und herunterkrachte.

Die Sirenen verstummten wie sie aufgeheult hatten, eine nach der anderen, weil es die Gebäude, auf denen sie angebracht waren, nicht mehr gab. Dann flackerte das ganze Firmament auf, es tat einen gewaltigen Donnerschlag, der die Hauswände erzittern und Fensterscheiben zerspringen ließ. Alle Lichter, die noch brannten, erloschen. Gleichzeitig wurde durch die gewaltige elektrische Spannung auf einen Schlag das gesamte Gedächtnis der Menschheit gelöscht - jedenfalls alles, was irgendwo in Datenbanken, auf Computerfestplatten und anderen elektronischen Datenträgern gespeichert war. Was nicht als schriftliches Zeugnis oder als Bild und auf Papier gedruckt in unterirdischen Bibliotheken und sicheren Bunkern lagerte, war weg.

Schließlich schnaubte ein gewaltiger, nasser Windstoß hernieder wie ein göttliches Niesen und pustete das tobende Inferno aus, als wäre es nur eine Kerzenflamme. Dann wurde es auf einmal still. ... Ganz still.

 

In der Atmosphäre lag eine Mischung aus Silvesternacht in der Stadt, wenn die Rauchschwaden von Raketen und Böllern noch in den Gassen hängen, und dem üblen Geruch, der entsteht, wenn jemand auf dem Klo sitzt und gleichzeitig raucht. Kein Windhauch wehte, kein Vogel erhob seine Stimme, jedes Wesen, das noch lebte, schien zu warten auf das, was noch kommen würde.

...

 


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