Worte gegen den Wind ... - Die Seite mit kritischer Lyrik und Satire

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Kein Wintermärchen *

Der Heine war ein guter Mann,
das sagt ihr – jetzt,
wo er sich nicht mehr wehren kann.
Zur Lebzeit ins Exil getrieben,
heute allseits hoch geschätzt:
Tote kann man leichter lieben
und Dichter sind wie Saurier
im Zeitalter der Technokraten;
sie leben nur noch auf Papier
oder anerkannt als Literaten.

Wer wagt es da zu stören
das geistig kalte Klima?
Manege frei und Rampenlicht!
den Finanz- und Politikjongleuren.
Der Vogel unter dem sie sitzen
– auf beiden Flügeln lahm –
gleicht einem Pleitegeier.
Die Schafe stellen sich lebendig,
die Hunde bellen zahm
und ein paar Hähne gockeln wendig. –
Keiner legt hier Eier.

Wer gefragt ist,
gibt ein Interview –
und wer Verstand hat,
denkt sich sein Teil dazu.
Die öffentliche Hand
ist sparsam gestimmt:
oben verteilt sie,
was sie unten nimmt
und wer nicht fett ist,
muss den Gürtel enger schnallen.

Doch zurück zu Harry Heine:
Der Lohn des Dichters ist der Ruhm
und den erhält er meist posthum. –
Da freu’n sich die Gebeine.
Und in Paris, im fernen Grab,
dreht sich Heine einmal um
(jetzt liegt er wieder richtig).
Er grinst und denkt sich: Deutschland,
so, wie ich’s beschrieben hab.

Hier gibt's das Gedicht als PDF


* Das Gedicht entstand 1997 einen Tag nach Heinrich Heines
200. Geburtstag. Es hat sich nichts geändert.
Näheres zu Heinrich Heine gibt es hier!
 

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