Worte gegen den Wind ... Die Seite mit kritischer Lyrik und Satire

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Tschernobyl * 

In Tschernobyl, in Tschernobyl
da stand einmal ein Kernkraftwerk.
Jetzt steht verlassen ein Kolchosentraktor
in der weiten Ukraine –
es explodierte der Reaktor,
das AKW ist 'ne Ruine.

Die Menschen wurden umquartiert
und ein paar Tage tat man so,
als wär’ nicht viel passiert.
Dann trieb der Wind nach Schweden
und bald auch in die BRD
die unsichtbaren Strahlenteilchen.

Sie treffen jeden, doch
man spürt sie nicht, es tut nicht weh
und dauert noch ein Weilchen
bis alle Welt vergiftet ist,
die Kinder nicht mehr spielen dürfen
und keiner mehr das Grünzeug isst.

Mit Becquerel und Gamma-Dosis
wird solang herumjongliert,
bis keiner mehr weiß, was los is’,
bis man aus Zeitung und Radio erfährt:
Er hat sich inzwischen stabilisiert
der Anstieg der Radio-Aktivität.

Und Politik und Wissenschaft?
Sie schweigen, streiten, diskutieren,
versichern sich gewissenhaft:
Bei uns kann so was nicht passieren.
Wir glauben’s nicht und hoffen doch
noch mal davonzukommen.

Aber warten wir’s ab
und seien wir froh:
Es tagte der Gipfel in Tokio:
1 
Thatcher, Kohl und Reagan
lassen niemand im Schlamassel stecken –
der Welt Probleme lösen sie
mit Bomben auf Oberst Gaddafi.

Hier gibt's das Gedicht als PDF 


* Das Gedicht entstand 1986, eine Woche nachdem bekannt wurde,
dass es in Tschernobyl eine Reaktorkatastrophe gegeben hatte.
Es wurde bisher nicht veröffentlicht, nach 25 Jahren scheint sich aber
jetzt ein verhängnisvoller Kreis zu schließen.
Da wird wieder vertuscht, verheimlicht, verharmlost, verschwiegen und
gelogen, was das Zeug bzw. die Reaktorhülle hält.
Wer gesehen hat, wie sich unser Umweltminister im Fernsehen um eine
Aussage zu den verlängerten Laufzeiten unserer Kernkraftwerke herum-
gewunden hat, der weiß, dass Röttgen nur eine lackierte Pflaume ist, und
ahnt, dass unsere Politiker  im Fall des Falles genauso plan- und hilflos
wären wie die in Japan.
Dazugelernt haben sie in 25 Jahren anscheinend wenig bis nichts. –

Man wird sie dazu zwingen müssen.

Zur Reaktorkatastrophe in Japan und früheren GAUs  gibt es hier einen
aufschlussreichen Artikel.
Zu den medizinischen Langzeitfolgen der Katastrophen von Tschernobyl
und Fukushima finden Sie hier ein Interview. Die Strahlung ist viel höher
als von den Kraftwerksbetreibern und der japanischen Regierung behauptet
wurde. Und wer für die Entschädigung der Opfer aufkommen soll, steht hier. –
Aber man ahnt es ohnehin: Es ist der Staat, also die Allgemeinheit
(in diesem Fall der Japaner).

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1 Gemeint ist der G7-Gipfel, der damals vom 4. bis 6. Mai 1986, also kurz
nach der Tschernobyl-Katastrophe (ausgerechnet) in Tokio tagte und
außer Mitgefühls- und Absichtserklärungen nichts Wesentliches
hervorbrachte. 

2 Elf Tage vor der Explosion des Reaktors von Tschernobyl hatten die
USA mit zweifelhafter Begründung Ziele in Libyen angegriffen, Gaddafi
selbst jedoch verfehlt.

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