Worte gegen den Wind ... - Die Seite mit kritischer Lyrik und Satire

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Zwei 11. September

Zwei kurze

Minilohn *
Kennst du das Land, wo die Reformen blühn,
Wo Kommissionen vor Ideen sprühn,
Wie man den Schwächsten Geld und Rechte nimmt,
Worin der Reiche unbehelligt schwimmt –
Kennst du es wohl?
                                Hierhin, dahin, dorthin!
Soll man demnächst für Minilöhne ziehn!

Kennst du das Haus? Ein Winkel ziert sein Dach,
Da bist du Nummer, droht dir Ungemach,
Beim Schlangestehn sehn sie dich fragend an:
Was hat man dir, du armer Hund, getan?
Kennst du es wohl?
                                Dahin! Dahin
Möcht ich mit dir, o Bundeskanzler, ziehn!

Kennst du die FAZ und ihren Wirtschaftsteil?
Das Kapital sucht anderswo sein Heil,
Es wuchert ungehemmt und williger,
Wo Menschen ärmer sind und billiger:
Kennst du es wohl?
                                Dahin! Dahin
Geht unser Geld; und Vater Staat lässt’s ziehn.

* frei nach Goethes Gedicht „Mignon“ ("Kennst du das Land, wo die
Zitronen blüh'n") aus seinem Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“.
"Minilohn" entstand 2004 kurz vor Inkrafttreten der Hartz-IV-Reform

(
benannt nach dem früheren VW-Manager, Leiter der Hartz-Kommission
und später verurteilten Wirtschaftskriminellen Peter Hartz).
Gewidmet ist es dem damaligen Automann und heutigen Gasmann
Gerhard Schröder, der als Kanzler die Hartz-Reformen durchsetzte.
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